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Das tut mir nicht gut! Abgrenzung in der Trauer

Sport, Abgrenzung, Seelensport

Vielen fällt es in der Trauer schwer, sich abzugrenzen. Nein zu sagen. Und dabei ist das gerade in der Trauer unglaublich wichtig. Warum das auch für mich sehr schwer war und wie ich es auch mit Hilfe von SeelenSport® geschafft habe, für mich klarere Grenzen zu ziehen, erzähle ich Dir in diesem Blogbeitrag.

Abgrenzung war schon immer ein schwieriges Thema für mich. Ich habe immer sehr mit anderen mitgefühlt, es war mir wichtig, anderen Menschen gerecht zu werden und zu gefallen. Heute ist das anders. Mitgefühl und Empathie sind geblieben, es anderen permanent recht machen zu wollen und zu gefallen – das habe ich abgelegt. Und dabei war mir – das hätte ich nicht wirklich für möglich gehalten – die Trauer eine große Hilfe.

Zu Beginn meiner Trauer ließ ich alles ganz nah an mich heran. Ich war schutzlos – emotional und körperlich. Ich versuchte zu funktionieren. Ich unterdrückte meine Trauer. Ich nahm Aufgaben an, die ich eigentlich gar nicht meistern konnte. Ich wurde getriggert durch Social Media, wo es augenscheinlich allen doch so gut ging, alle ein perfektes Leben führten. Ohne Trauer, ohne Sorgen. Ich war einerseits wie in Watte gepackt, wie in einer anderen Welt. Taub. Orientierungslos. Und andererseits wollte ich dazugehören, zu denen, denen es gut ging. Die ihr Leben ganz normal lebten. Die fröhlich waren und unbeschwert.

Verloren im Dschungel der Coaching-Podcasts


Ich begann, Podcasts zum Thema Persönlichkeitsentwicklung zu hören. Ich dachte, in ihnen finde ich Halt. Ich dachte, sie geben mir Orientierung. Ich habe alles aufgesogen, all die Tipps, Hinweise und „Mindsets“ – ohne zu merken, dass das alles viel zu viel war. Dass Abgrenzung unbedingt notwendig gewesen wäre. Aber ich hatte mich verloren. Ich hatte kein Gefühl mehr für richtig oder falsch. Der einzige Podcast, der mir wirklich half, war der von Marina Schüssler. Er drehte sich um Trauer und machte mir Mut, auf mich selbst zu hören. Auch, wenn mir das gerade in der Anfangszeit nach meinem Verlust besonders schwerfiel.

Meinen hohen Ansprüchen konnte ich nicht mehr gerecht werden


Gerade als ich dann nach ein paar Wochen Krankheit wieder anfing zu arbeiten, hatte ich an mich den Anspruch, mich zusammenzureißen. Die gleiche Leistung zu erbringen wie davor – ohne Wenn und Aber. Ich wollte leistungsfähig sein. Ich wollte mir und meinen Ansprüchen gerecht werden. Das hat natürlich überhaupt nicht funktioniert. Ich konnte kaum Leistung bringen. Ich war kaum in der Lage, mich in meinen Job hineinzudenken. Alles kam mir fremd vor, sinnlos, wie aus einer anderen Galaxie.

Erst nach und nach lernte ich zu akzeptieren, dass meine Trauer Raum brauchte. Und sie nahm sich ziemlich viel Raum. Sie forderte meine Zeit, meine Kraft, meine Aufmerksamkeit. Irgendwann schlug meine Trauer dann immer mehr um in Wut. Und ich verstand so langsam, dass ich viel zu lange Dinge getan hatte, die mir eigentlich gar nicht guttun. Mit Menschen zu tun hatte, die mir mehr Energie raubten als sie mir schenkten. Dass ich Menschen gefallen wollte, die meine Aufmerksamkeit eigentlich gar nicht verdient hatten.

Meine Trauer verlangte nach Aufmerksamkeit


Es war, als würde mich die Trauer auf die Schulter klopfen und sagen „hey, ich brauche Deine Aufmerksamkeit. Überlege Dir doch mal, was Du weglassen kannst, um sie mir zu schenken.“ Der Trauer Aufmerksamkeit zu widmen kostete mich unglaublich viel Kraft. Irgendwann hatte ich kaum mehr Kraft für anderes. Und mir wurde klar, wie wichtig es jetzt ist, mich abzugrenzen. Nein zu sagen.

Der erste Schritt: Abgrenzung körperlich spürbar machen


Auch mit der liebevollen Unterstützung von Katy und SeelenSport® habe ich gelernt, auf Distanz zu Dingen und Menschen zu gehen, die zu viel meiner Aufmerksamkeit einforderten. Viele Übungen im SeelenSport® beschäftigen sich mit der Abgrenzung.

Körperlich symbolisiert der SeelenSport® die Abgrenzung zum Beispiel so: Körperspannung, beide Arme nach vorne strecken, den Blick schärfen, sich seiner eigenen Kraft bewusst sein und „nein“ sagen. Oder mit einer tiefen Ausatmung und den Armen in einer langsamen, kraftvollen Bewegung alles Negative bewusst nach vorne von sich wegschieben, wegatmen, körperlich ganz klar auf Distanz gehen. Ich hätte das selbst nicht gedacht, aber es macht unglaublich viel aus, diese Abgrenzung körperlich zu spüren. Auch, wenn sie erst nach und nach im Bewusstsein ankommen und ich die Abgrenzung auch erst nach einiger Zeit wirklich leben konnte. Das ging nicht von jetzt auf gleich. Aber das Spüren meines Körpers in diesen Übungen war ganz klar der Impuls.

Diese Übungen schenken sehr viel Kraft. Aber sie tun auch weh. Es zieht in den Armen, dem Bauch, den Beinen – und dem Herz. Ein ambivalentes Gefühl. Genauso wie die Trauer selbst, die unendliche Liebe und unendliche Traurigkeit in sich vereint.

Die Trauer hat mich gelehrt: Ich darf dem folgen, was mir guttut


Abgrenzung ist für mich nach wie vor nicht leicht. Aber durch meinen Verlust habe ich umso mehr gelernt, wie wertvoll meine Zeit ist. Dass ich sie verwenden darf für Dinge, die mir guttun. Dass ich sie verbringen darf mit Menschen, die mich schätzen und lieben so wie ich bin. Für die ich mich nicht verbiegen und denen ich nichts beweisen muss. Und diese Erkenntnis ist, bei all dem Schmerz, der ihr vorausging, letztlich etwas sehr Wertvolles.


Wie geht es Dir mit der Abgrenzung in der Trauer? Ist das ein Thema für Dich? Schreibe gerne etwas dazu in die Kommentare.

Du interessierst Dich für das einzigartige Konzept von SeelenSport® und möchtest mit mir trainieren? Dann kontaktiere mich gern per Mail unter seelensport@lieben-sterben-leben.de

2 Comments

  • Monika

    Ich trauere nun schon seit fast 8 Monaten, und es vergeht kein Tag, an dem ich nicht weinen muss. Auch ich bin dabei, mich von Menschen abzugrenzen, die mir nicht gut tun. Die meinen, nach so langer Zeit sollte es doch mal besser werden….

    • Sabine

      Liebe Monika, danke für Deinen Kommentar. Trauer ist etwas sehr Individuelles, sie fühlt sich im Zweifel für jede/n anders an, deswegen kann man aus meiner Sicht auch keinen festen Zeitpunkt bestimmen, ab dem es „mal besser werden“ muss. Der Zeitpunkt kommt, aber was löst es für einen Druck aus, wenn man doch spürt, dass man selbst eben jetzt noch nicht so weit ist?
      Hier kann Abgrenzung sicher ein Weg sein, einfach, damit Du Dein Tempo gehen kannst.
      Alles Liebe für Dich.

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