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Erste Hilfe in der Trauer – was mir Halt gegeben hat

Ganz am Anfang war die Trauer für mich besonders schwer auszuhalten. Ich wusste nicht wohin mit mir. Ich weinte viel, ich war wie gelähmt, ich hatte Angst, allein zu Hause zu sein und war gleichzeitig nicht in der Lage, ins Büro zu gehen. Welche Dinge mir in dieser Zeit Halt gegeben haben, erzähle ich Dir in diesem Artikel.

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Schon in der Zeit, in der mein Papa im Sterben lag, habe ich mich viel mit dem Tod beschäftigt. Denn ich konnte nicht glauben, dass gerade mir das passiert. Für mich war der Tod immer weit weg. Und plötzlich trifft es mich. Ich wollte verstehen. Ich wollte, nein ich konnte mich mit keinem anderen Thema mehr beschäftigen. Und doch war ich unglaublich überfordert. Ich suchte nach Halt, nach jemandem, der all das schon erlebt hatte. Überlebt hatte.

Der Engel in meinem Ohr


Durch Zufall stieß ich in meiner Podcast-App auf Marina Schüßler. Sie ist Coach für Trauernde. Ihr Podcast „Zurück im Leben – Der Podcast über das Leben und den Tod“ beschäftigt sich mit der Trauer. Die erste Folge heißt „Warum?“. Ja, diese Frage habe ich mir auch gestellt. Und mich im Podcast von Marina sofort aufgefangen gefühlt. Oft bin ich stundenlang spazieren gegangen und habe Folge für Folge gehört. Dazu, wie man die Beerdigung überstehen kann. Wie ich damit umgehen kann, wenn mein Umfeld kein Verständnis für mich hat, warum Abgrenzung so wichtig ist. Es dauerte nicht lang, da habe ich Marina als „Engel in meinem Ohr“ empfunden. Und mich unzählige Male gefragt, ob sie wohl meine Gedanken lesen kann. Weil sie so oft ausgesprochen hat, was ich gefühlt habe. Ich habe mich verstanden gefühlt. Ich war nicht allein und musste doch mit niemandem sprechen. Denn am Anfang meiner Trauer habe ich mich komplett zurückgezogen, war sprachlos und überfordert damit, auszusprechen, welche Gefühle in mir gerade tobten. Nicht zuletzt wurde ich über Marinas Podcast auch auf SeelenSport®  aufmerksam.

Auch Marinas Account bei Instagram habe ich regelmäßig verfolgt. Dort erzählt sie von ihrer Trauer. Von den traurigen Momenten. Aber auch von denen, in denen sie wieder Lebensmut fasste. Dann strahlte sie in die Kamera und ich fragte mich „wie funktioniert das? Lächeln? Nach alldem, was passiert ist?“. Auch sie hat ihren Papa verloren und mir viel Mut gemacht. Mut, auch selbst irgendwann wieder lächeln zu können.

Coaching: Eine besondere Form der Trauerbegleitung


Ein paar Monate nach dem Tod meines Papas durfte ich bei Marina ein Trauer-Coaching mitmachen. Auch, wenn das sehr emotional war, war es für mich ein großes Geschenk. Wir verabredeten uns regelmäßig über Skype, Marina ging auf mich ein, hörte mir zu. Spiegelte meine Emotionen, gab mir Hilfestellungen und fasste im Anschluss unsere Gespräche noch einmal schriftlich für mich zusammen. Bis heute habe ich all die Aufzeichnungen und schätze sie sehr. Ich kann Dich nur dazu ermutigen, Dir in Deiner Trauer Unterstützung zu suchen. Du musst da nicht alleine durch. Auf Marinas Website findest Du mehr Infos zum Podcast und zu ihren Angeboten.

Je weiter die Trauer fortgeschritten war, desto mehr hat mir der Austausch darüber geholfen. Wenige, enge Freunde und Trauergruppen waren für mich dabei ein wichtiger Halt.

Podcast: liebevoll trauern


Einen weiteren Podcast, den ich Dir empfehlen kann, ist der Podcast von Christine Kempkes. Sie ist Trauerbegleiterin und hat den Podcast erst kürzlich gestartet. Ihre schöne Stimme und ihre einfühlsame, liebevolle Art, über die Trauer zu sprechen, hätten mir sicher damals auch schon sehr geholfen.  

Bücher über das Sterben und das Weiterleben


Noch bevor mein Papa starb, habe ich auch angefangen, Bücher über das Sterben zu lesen. Es gibt unzählig viele, eines ist mir aber ganz besonders in Erinnerung geblieben. Und zwar ist es geschrieben von Elisabeth Kübler-Ross, sie eine der bekanntesten Sterbeforscherinnen. Es heißt „Über den Tod und das Leben danach“. Ich dachte erst, es sei ein sehr spirituelles Buch. Zum Teil ist es das auch, aber Elisabeth Kübler-Ross lässt auch Erkenntnisse aus ihren Forschungen mit Sterbenden einfließen. Sie beschreibt in dem Buch das Sterben als etwas sehr Friedliches. Leider ist nicht jedem vergönnt, friedlich zu sterben. Aber ich kenne auch viele Menschen, die ihre Verstorbenen noch sehen konnten und diesen Moment als einen sehr friedlichen Augenblick beschrieben haben. Mir hat dieses Buch damals sehr geholfen, den Tod besser zu verstehen und den Glauben daran, dass danach nicht alles vorbei ist, nicht zu verlieren. Denn wer von uns weiß schon, was dann kommt? Niemand, bis wir nicht selbst an diesem Punkt sind.

Weiterleben


Wie sollte ich weiterleben? Das habe ich mich oft gefragt. Denn meine Zeit stand still, während sich die Welt da draußen unaufhörlich weiterdrehte. Ich war überhaupt nicht geübt im trauern. Wie gehen andere damit um? Welche Strategien haben sie? Dabei hat mir das Buch „Weiterleben: Nach dem Tod eines geliebten Menschen“ sehr geholfen. Hier sind Geschichten von Menschen gesammelt, die jemanden verloren haben. Sie beschreiben die erste Zeit der Trauer. Sehr gut im Gedächtnis blieb mir die Geschichte einer Frau, die erzählte, dass sie nach ihrem Verlust in ganz kleinen Schritten gedacht hat. Morgens erst einmal die Bettdecke beiseite schlagen. Dann im nächsten Schritt die Füße auf den Boden bekommen. Der nächste kleine Schritt war der Weg ins Badezimmer. Ganz langsam. In dem Tempo, in dem es möglich war. Manchmal hatte sie mittags noch nicht ihr Nachthemd ausgezogen. Mir hat das gezeigt, dass ich mit meiner Lethargie nicht allein war. Dass auch für andere Trauernde die Zeit stillstand.

Konzentration beim (Aus)malen


Ich bin ein kreativer Mensch, ich stricke gerne, ich liebe es, mit Farben zu experimentieren und hatte mir vor dem Tod meines Papas schon etliche Ausmalbücher zugelegt. In der Trauer haben sie mir sehr geholfen. Denn ich war fokussiert und konzentriert. Alles andere um mich herum war ausgeblendet. Ich hatte für diesen einen Moment das Gefühl von ein klein wenig Kontrolle in meinem Leben.


Hier siehst Du eines der Bilder, das ich damals ausgemalt habe. Ich würde den Spruch heute gerne ergänzen, denn „alles gut“ wurde bei mir ehrlich gesagt bis heute nicht. Sondern „anders gut“. Mir hat das Malen damals auf jeden Fall sehr geholfen.



Trauer ist sehr individuell und so sind es auch die Dinge, die uns dabei helfen, sie auszuhalten. Vielleicht sind es für Dich ganz andere Sachen. Während ich zum Beispiel zu Beginn meiner Trauer zu jeglicher Art von Sport überhaupt nicht in der Lage war, gehe ich heute einen ganz anderen Weg und die Bewegung ist zu meinem Halt geworden. Trauer verändert sich und ist für jede und jeden anders. Das, was mir geholfen hat, kann vielleicht Inspiration für Dich sein. Vielleicht aber auch nicht. Ich möchte Dich dazu ermutigen, in der Trauer gnadenlos und im besten Sinne egoistisch zu sein. Achte auf Dich. Frage Dich selbst liebevoll, was Du gerade brauchst. Was Dir gut tut. Und dann mache davon alles, was Dir möglich ist. Denn es geht nur um Dich, um Deine Gefühle und darum, diese erste, schlimme Zeit irgendwie zu überstehen. Ich wünsche Dir Kraft auf dieser Reise.

Wenn Du mit uns teilen magst, was Dir in der Trauer hilft, hinterlasse dazu gerne einen Kommentar unter diesem Artikel, ich freue mich darüber!

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